Unserem Autor begegnet eine hartnäckige Parteinahme für die Erben der Sowjetunion – ausgerechnet in deren ehemaliger Besatzungszone. Wie kommt das?
„Nas ne dogonjat“ steht auf dem Shirt bei einer Pegida-Demo in Dresden Foto: Sean Gallup/Getty Images
Sie ist nicht die einzige Putinversteherin in Dresden und im Osten des mir plötzlich seltsam näher gerückten Deutschlands. Überhaupt nicht entspannt geht es seit dem Überfall auf die Ukraine in Mailverteilern, Whatsapp-Gruppen oder bei persönlichen Begegnungen zu. Der Tenor: Ist ja schlimm, was der unberechenbare Putin da macht.
Zuerst kommt mir eine Variante des Stockholm-Syndroms in den Sinn. Also paradoxe Sympathie gegenüber denen, die einem Gewalt antun. Das klappt für meine Generation nur noch bedingt, die Schulkinder der 1960er und 70er Jahre in der DDR, die bloß noch Ausläufer des harten Stalinismus und des 17. Juni 1953 erfuhren. Mit dem Atavismus der blutigen Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 freilich.
Ost-Trotz oder trotz Ost? Der koloniale Status wurde in der DDR mit Ironie sublimiert. Sowjetische Freunde oder Brüder? Freunde nicht, denn die kann man sich aussuchen. Aus einem sowjetischen Arbeiterlied wurde „Machorka her“, aus „Tom Dooley“ die Grigorij-Parodie, aus den Ghost Ridern die „30 Russen am Fuße des Ural“. Das war nicht mehr feindselig, und auch ich trug 1989 eine Gorbatschow-Plakette.
Hofierung von Putin in Dresden Bei den Rechten, die am lautesten nach Basisdemokratie schreien, wie bei einer erschreckend hohen Zahl ehemaliger DDR-Bürger ist die Sehnsucht nach autoritärer Führung, mithin nach Entlastung von der eigenen Mitverantwortung latent.
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