Erst kamen 108 jüdische Kinder, nun noch einmal 120 Kinder und Frauen. Die Chabad-Gemeinde Berlin koordiniert eine große Rettungsaktion aus der Ukraine.
Susanna und Yaroslav aus Odessa gehören zu den Kindern und Jugendlichen, die von der jüdischen Chabad-Gemeinde in Berlin aufgenommen wurden.
Die Nachrichten aus der Ukraine sind düster. Es ist der zwölfte Tag seit dem Angriff. Auch Odessa, die Heimat der Kinder, könnte in jedem Moment bombardiert werden, warnt die ukrainische Regierung, so wie die Stadt Mykolajiw, die in der Nähe liegt. Dort wird gerade um den Flughafen gekämpft, heißt es in den Nachrichten. Die von den Russen schon besetzte Stadt Cherson ist auch nur 200 Kilometer von Odessa entfernt.
Sie seien erst nervös gewesen, sagen sie. „Aber als wir anfingen zu reden, habe ich eine gute Energie gefühlt“, sagt Yaroslav. Der Bundespräsident habe gute Fragen gestellt. Sie aßen in Kischinau, der Hauptstadt von Moldawien, zu Mittag, fuhren weiter, über Rumänien, Ungarn, Tschechien, ohne Übernachtungspause, nach zweieinhalb Tagen waren sie in Berlin.
In seiner Heimatstadt sei sein Vater mit Kippa und langem Bart durch die Straßen spaziert, von anderen Leuten, nichtjüdischen Nachbarn, mit „Shalom, ma nishma?“ begrüßt worden. Hallo, wie geht’s, auf Hebräisch.„Odessa ist eine besondere Stadt in der Ukraine,“ sagt Yaroslav. „Es ist eine jüdische Stadt, immer noch.“ Einst sei sogar jeder dritte Bewohner der Stadt jüdisch gewesen, sagt er. Vor dem Zweiten Weltkrieg.
Yaroslav probiert ein paar Worte auf Deutsch aus. Er versteht schon einfache Sätze. Er habe im Bus nach Berlin konzentriert über seinem Handy gehangen, alle hätten ihn gefragt, was er denn da nur mache, sagt Susanna. Für einen Moment löst sich der Ernst aus ihrem Gesicht, sie lacht. Er habe im Bus angefangen, Deutsch zu lernen.